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Niccolo Machiavelli - Biographie


1502 - 1503

Diverse Gesandtschaften zu den Cesare Borgiaverschiedenen Hauptquartieren Cesare Borgias, Herzog von Valentinois.

Dieser war Sohn des amtierenden Borgiapapstes Alexander VI., durch dessen Protektion er politisch kurzfristig zu einem überregionalen Herrscher in Mittel- und Norditalien aufstieg.

Seine Schwester war die berühmte 'Giftmischerin' Lucrezia Borgia, die ihm an Skrupellosigkeit der offiziellen Geschichtsschreibung nach, in nichts nachstand. Dieses Zerrbild scheint jedoch wesentlich auf einen Rufmord an der Borgiafamilie insgesamt zu basieren.

Machiavelli projeziert auf ihn die Vision, ganz Italien zu unterwerfen und damit gegen die verschiedenen Invasoren zu einigen.

Die Überlegung geht sogar soweit, dass Machiavelli vermutet haben könnte, Cesare Borgia könne Papst werden. Das werde schließlich dazu führen, dass das Papsttum in einem geeinten italienischen Staat aufgehen würde. So werde sich die so verhängnisvolle geistliche Herrschaft der Kirche in der Mörderfigur Cesares ad absurdum führen - allemal eine bizarre Vorstellung (Zehn Jahre später wird Martin Luther, ungewollt der 'wahre Retter' der katholischen Kirche, in Rom sein - und bestürzt über den sogenannten Sittenverfall in der ewigen Stadt sein Reformation beginnen).

Im 'Il Principe' heißt das letzte Kapitel: "Aufruf, sich Italiens zu bemächtigen und es von den Barbaren zu befreien"

Doch folgt dem Tod des Vaters, des Borgiapapstes Alexander VI. 1503 (nach dem nur nur einmonatigen Intermezzo des Papsttums Pius III., eines Piccolominis) schließlich auch der Untergang des ambitionierten Sohnes. Julius II.(aus der römischen Familie della Rovere, geb. 1443), der bedeutendste Renaissancepapst, wird Cesare Borgia an List und Tücke noch übertreffen, was Machiavelli mit Enttäuschung wahrnimmt - ein Besuch des einst so bewunderten Heerführers in einem römischen Verlies wird Machiavelli unterlassen. Später in Diensten des Königs von Navarra, fällt der politische Komet Cesare Borgia am 12. März 1507 bei Viana, Kastilien, im Kampf. Sein Grab, dass noch bis ins 17. Jahrhundert in der Kathedrale zu Viana nachgewiesen ist, wurde später zerstört.

Machiavelli setzt diesem Condottiere in seinem Werk 'Il Principe' ein unvergessliches grandioses Denkmal.

Für Friedrich Nietzsche gilt Cesare später als die Verkörperung des positiv bewerteten Renaissancemenschen schlechthin: skrupellos, kultiviert, machtbewußt und 'Jenseits von Gut und Böse'.

Für Machiavelli offenbaren sich im Aufstieg und Untergang Cesare Borgias die Fundamentalkräfte der Geschichte: virtû und fortuna.


Im 'Fürsten' findet sich dieser zusammenfassende nüchterne Bericht über die Gründe für Borgias Scheitern:


"Fasse ich nun alle Maßnahmen des Herzogs zusammen, so könnte ich ihm keinen Vorwurf machen; es scheint mir im Gegenteil richtig, ihn, wie ich es getan habe, allen denen zur Nachahmung zu empfehlen, die durch Glück und mit fremder Waffenhilfe zur Herrschaft emporgestiegen sind. Da er herrschen wollte und voll großer Pläne war, konnte er garnicht anders handeln; nur die kurze Lebensdauer Alexanders und seine eigene Krankheit verhinderten die Ausführung seiner Pläne. (...) Man kann ihm nur sein Verhalten bei der Ernennung des Papstes Julius zum Vorwurf machen; hier hatte er eine schlechte Wahl getroffen. Da er, wie ich schon sagte, den päpstlichen Stuhl nicht nach seinem Willen besetzen konnte, so stand es doch in seiner Macht zu verhindern, daß einer Papst wurde. Er durfte keinesfalls der Wahl eines Kardinals zum Papst zustimmen, den er einmal beleidigt hatte und der ihn nach seiner Erhebung zum Papst zu fürchten hatte. Denn die Menschen befehden einander aus Furcht oder aus Haß. (...) Infolge dessen mußte der Herzog in erster Linie einen Spanier zum Papst machen, und wenn er dazu nicht imstande war, so durfte er seine Zustimmung zur Wahl des Kardinals von Rouen und nicht zu der des Kardinals von San Pietro in Vincoli geben. Wer glaubt, daß große Herren wegen neuer Wohltaten alte Kränkungen vergessen, täuscht sich. So beging der Herzog bei dieser Wahl einen Fehler; dies war der Anlaß zu seinem schließlichen Untergang"


Berühmt und berüchtigt ist Machiavellis Bericht von Cesare Borgias Vorgehen gegen vier unbotmäßige Verbündete anlässlich der Erstürmung der Stadt Senigaglia Ende 1502. Machiavelli war zugegen, als sich Cesare Borgia durch einen raffiniert geplanten Mord dieser Verräter entledigte. Er wurde sogar von dem Mörder selbst über die erfolgreiche Durchführung des infamen Plans unterrichtet - Machiavelli bewunderte diesen ordnungspolitischen Mord, denn Zweck war, endlich für Ruhe zu sorgen in einer von Anarchie und Eigeninteressen dominierten Zone zerstrittener Lokalgranden. In unserem Textteil finden Sie den vollständigen Bericht.


Anlässlich der ersten Mission im Sommer 1502 reist Machiavelli nach Imola - dort trifft er auf Militäringenieur Leonardo da Vinci (1452-1519),Leonardo da Vinci mit dem er später das Projekt der Arno-Umleitung plant, um so Pisa endlich zur Kapitulation zu zwingen.

Machiavelli, Leonardo und Borgia an einem Tisch - welch ein exzellentes Ensemble! Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf...


1504

Gemeinsam mit Leonardo da Vinci (Sic!) setzt Machiavelli den großangelegte Plan um, den Arno in ein Kanalsystem umzuleiten und einen Binnenhafen in Florenz zu schaffen! Dazu wollen sie Pisa vom Lebensquell Arno abschneiden. Die Vorarbeiten in Form von geographisch/ ingeneurtechnischen Zeichnungen setzt Leonardo seit 1503 um.

In Florenz schafft Leonardo das berühmte Bild "La Gioconda" (Louvre, Paris), für das ihm Mona Lisa, die Gattin des Bankiers Giocondo, Portrait stand.

Er erhält vom Rat der Stadt Florenz das Angebot, eine Wand des Ratsaals der Signoria mit einer Szene aus der militärischen Geschichte von Florenz zu schmücken. Leonardo, für den der Vorschlag überraschend kam, hasste den Krieg und wollte weder Leichen noch verwundete oder verstümmelte Männer malen.

Machiavelli konnte Leonardo überreden, den Auftrag dennoch anzunehmen, indem er Leonardo beste Arbeitsbedingungen zusicherte und als Motiv die Schlacht von Anghiari vorschlug.

Giorgio Vasari (1511-1574) Maler, Architekt und Autor der Biographien der wichtigsten Künstler seiner Epoche, berichtet:"Zur Zeit, als der herrliche Maler Leonardo da Vinci den großen Ratssaal ausschmückte, erhielt Michelangelo durch den damaligen Gonfaloniere Piero Soderini, der sein großes Talent erkannte, den Auftrag, einen Teil dieses Saales zu übernehmen." Man darf sich also vorstellen, wie an den sich gegenüberliegenden Wänden gleichzeitig Leonardo und der mehr als zwanzig Jahre jüngere Michelangelo malten.


Das militärtechnische Großprojekt scheiterte jedoch - ungenaues Befolgen der Pläne, Geldmangel, unvorhergesehenes Hochwasser führen zum totalen Misserfolg. Anerkannt werden muß trotzdem die großartige strategische Vision, durch ein technisches Manöver, einen totalen Sieg herbeizuführen.


Machiavelli veröffentlicht mit Erfolg den ersten Teil der sog. 'Dezennalen'. Den zweiten Teil der 'Dezennalen' schreibt er zwischen 1504 - 1509.Papst Julius II


1506 - 1507

Machiavelli baut die Volksmiliz auf; er verwirklicht damit gleichsam seine militärische und zugleich politisch-republikanische Lieblingsidee. Nichts lehnt Machiavelli so sehr ab wie Söldnerheere (Condottieri) oder fremde Hilfstruppen.


Der Condottiere, der auf Zeit besoldete Soldatenführer, ist eine der zentralen 'Typen' der Renaissance. Ein hervorragendes Portrait dieses Typen bietet Michael Mallett in dem von E. Garin 1990 herausgegebenen Aufsatzband 'Der Mensch der Renaissance'. Mitunter, und das macht diesen Typ historisch so interessant, gelang es diesen Söldnern, sich sogar zu Herrschern und Begründern von Dynastien zu machen. Der berühmteste und erfolgreichste Condottiere ist Francesco Sforza (1401-1466), der die Herrschaft von Mailand erkämpft und die lange herrschende Familie der Visconti zur Seite drängt.


Jacob Burckhardt schreibt in seiner Studie über die Renaissance über die Sforza:"Glänzend zeigt sich dies z. B. im Leben des Francesco Sforza); da ist kein Standesvorurteil, das ihn hätte hindern können, die allerindividuellste Popularität bei jedem einzelnen zu erwerben und in schwierigen Augenblicken gehörig zu benützen; es kam vor, dass die Feinde bei seinem Anblick die Waffen weglegten und mit entblösstem Haupt ihn ehrerbietig grüssten, weil ihn jeder für den gemeinsamen »Vater der Kriegerschaft« hielt. Dieses Geschlecht Sforza gewährt überhaupt das Interesse, dass man die Vorbereitung auf das Fürstentum von Anfang an glaubt durchschimmern zu sehen6). Das Fundament dieses Glückes bildete die grosse Fruchtbarkeit der Familie; Francescos bereits hochberühmter Vater Jacopo hatte zwanzig Geschwister, alle rauh erzogen in Cotignola bei Faenza, unter dem Eindruck einer jener endlosen romagnolischen Vendetten zwischen ihnen und dem Hause der Pasolini. Die ganze Wohnung war lauter Arsenal und Wachtstube, auch Mutter und Töchter völlig kriegerisch. Schon im dreizehnten Jahre ritt Jacopo heimlich von dannen, zunächst nach Panicale zum päpstlichen Condottiere Boldrino, demselben, welcher dann noch im Tode seine Schar anführte, indem die Parole von einem fahnenumsteckten Zelte ausgegeben wurde, in welchem der einbalsamierte Leichnam lag - bis sich ein würdiger Nachfolger fand. Jacopo, als er in verschiedenen Diensten allmählich emporkam, zog auch seine Angehörigen nach sich und genoss durch dieselben die nämlichen Vorteile, die einem Fürsten eine zahlreiche Dynastie verleiht. Diese Verwandten sind es, welche die Armee beisammen halten, während er im Castel dell' uovo zu Neapel liegt; seine Schwester nimmt eigenhändig die königlichen Unterhändler gefangen und rettet ihn durch dieses Pfand vom Tode. Es deutet schon auf Absichten von Dauer und Tragweite, dass Jacopo in Geldsachen äusserst zuverlässig war und deshalb auch nach Niederlagen Kredit bei den Bankiers fand; dass er überall die Bauern gegen die Lizenz der Soldaten schützte, und die Zerstörung eroberter Städte nicht liebte; vollends aber, dass er seine ausgezeichnete Konkubine Lucia (die Mutter Francescos) an einen andern verheiratete, um für einen fürstlichen Ehebund verfügbar zu bleiben. Auch die Vermählungen seiner Verwandten unterlagen einem gewissen Plan. Von der Gottlosigkeit und dem wüsten Leben seiner Fachgenossen hielt er sich ferne; die drei Lehren, womit er seinen Francesco in die Welt sandte, lauten: rühre keines andern Weib an; schlage keinen von deinen Leuten oder, wenn es geschehen, schicke ihn weit fort; endlich: reite kein hartmäuliges Pferd und keines, das gerne die Eisen verliert. Vor allem aber besass er die Persönlichkeit, wenn nicht eines grossen Feldherrn, doch eines grossen Soldaten, einen mächtigen, allseitig geübten Körper, ein populäres Bauerngesicht, ein wunderwürdiges Gedächtnis, das alle Soldaten, alle ihre Pferde und ihre Soldverhältnisse von vielen Jahren her kannte und aufbewahrte. Seine Bildung war nur italienisch; alle Musse aber wandte er auf Kenntnis der Geschichte und liess griechische und lateinische Autoren für seinen Gebrauch übersetzen. Francesco, sein noch ruhmvollerer Sohn, hat von Anfang an deutlich nach einer grossen Herrschaft gestrebt und das gewaltige Mailand durch glänzende Heerführung und unbedenklichen Verrat auch erhalten (1447-1450)."


Machiavelli wird 1520, nicht ohne Bewunderung und damit einhergehender Idealisierung, (gleichsam als literarisches Seitenstück zum 'Il Principe') in der Novelle 'Das Leben Castruccio Castracani aus Lucca' einen Condottiere portraitieren, der sich selbst ein Fürstentum erschuf.


Machiavelli wird zum 'Segretario der Nove dell´ordinanza e milizia' ernannt. Gesandtschaft zu Papst Julius II (della Rovere).