Geschichte von Florenz

Machiavelli wird 1520 auf Veranlassung Kardinals Guilio de´ Medici (der 1523 Papst Clemens VII. wird) von der Universität Florenz beauftragt, die Geschichte von Florenz zu Papier zu bringen.

Machiavelli liefert 1525 die 'Geschichte von Florenz' anlässlich eines Rombesuchs bei Papst Clemens VII. (vormals Guilio de´ Medici), seinem Auftraggeber, ab. Die 'Istorie fiorentine' erscheint 1532.

"Nachdem mir von Eurer Heiligkeit, seligster und heiligster Vater, als Sie noch in weniger hohem Range sich befand, aufgetragen worden, die Geschichte des florentinischen Volkes zu schreiben, habe ich allen Eifer und alle Geschicklichkeit, die ich der Natur und Erfahrung verdanke, aufgeboten, dem Wunsche Eurer Heiligkeit zu entsprechen." - mit dieser Widmung beginnt Machiavellis Werk.

 

In der nachfolgenden Vorrede verrät uns Machiavelli sein Vorgehen und seine Absichten:" Als ich die innere und äußere Geschichte des florentinischen Volkes zu schreiben beschloß, war meine Absicht anfänglich, meine Erzählung mit dem Jahre 1434 nach Christi Geburt anzufangen, der zeit, wo die Familie Medici durch die Verdienste Cosimos und seines Vaters Giovanni mehr Gewalt als irgendeine andere in Florenz gewann. Denn ich dachte, Messer Lionardo von Arezzo und Messer Poggio, zwei vortreffliche Geschichtsschreiber, würden alle Begebenheiten, die sich vor dieser Zeit zugetragen, ausführlich beschrieben haben. Später aber las ich ihre Schriften aufmerksam, um zu sehen, nach welchen Regeln und Formen sie im Schreiben zu werke gegangen sind, damit durch ihre Nachahmung unsere Geschichte mehr den Beifall der Leser erhalte. Ich fand nun, dass sie zwar in der Beschreibung der kriege der Florentiner mit den auswärtigen Fürsten und Völkern sehr sorgfältig gewesen sind, dass sie aber die bürgerliche Zwietracht und die inneren Feindschaften und ihre Wirkungen zum Teil ganz verschwiegen, zum teil so kurz beschrieben haben, dass es dem Leser weder Nutzen noch Unterhaltung gewähren kann. Ich glaube, sie taten dies entweder, weil ihnen diese Begebenheit so unbedeutend schienen, dass sie sie nicht für würdig hielten, dem Gedächtnis aufbewahrt zu werden, oder weil sie die Nachkommen derer zu verletzen fürchteten, die bei der Erzählung hätten angeklagt werden müssen.

Diese beiden Beweggründe scheinen mir – es sei gesagt ohne ihnen zu nahe zu treten – großer Männer völlig unwürdig. Denn wenn irgend etwas in der Geschichte ergötzt oder belehrt, so sind es die ausführlichen Beschreibungen der Begebenheiten; wenn irgendeine Schrift für die Bürger nützlich ist, welche die Republiken verwalten, so ist es die, welche die Ursachen des Hasses und der Spaltung der Städte darlegt, damit sie, weise durch fremde Gefahr, sich einig halten können. Und wenn jedes Beispiel einer Republik anregt, so regen die, welche man von der eigenen liest, noch viel mehr an und sind viel nützlicher. Und wenn es in irgend einer Republik bemerkenswerte Spaltungen gab, so sind es die von Florenz. Denn der größere Teil der Republiken, von denen man Nachrichten hat, begnügten sich mit einer Spaltung, durch welche sie je nach den Ereignissen ihre Stadt entweder erhoben oder gestürzt haben. Florenz hingegen begnügte sich nicht mit einer, sondern hat mehrer durchgemacht. In Rom entstand, wie jedermann weiß, nach Vertreibung der Könige die Entzweiung zwischen Adel und Volk, und darin erhielt es sich bis zu seinem Sturz. So Athen, so alle anderen Republiken, welche in jenen Zeiten blühten. In Florenz hingegen spaltete sich zuerst der Adel unter sich, dann der Adel und das Volk, und zuletzt das Volk und der Pöbel; und oft kam es, dass eine dieser Parteien nach ihrem Siege sich in zwei spaltete. Durch diese Spaltungen entstand so großes Blutvergießen, erfolgten so viele Verbannungen, so viele Familien gingen unter, als nie in irgend einer Republik, von der man Nachrichten hat. Und fürwahr, nach meinem Urteil scheint mir kein anderer Beweis so sehr die Macht unserer Stadt darzutun, als der, welcher in diesen Spaltungen selbst liegt.

Denn während sie Kraft genug gehabt haben würden, die größte und mächtigste Republik zu vernichten, schien die unserige immer größer zu werden. So groß waren jene Bürger, solche Macht lag in ihrem Geiste und so fest war ihr Wille, sich und ihr Vaterland zu erheben, dass immer die, welche von so großen Übeln frei blieben, Florenz mehr durch ihre Tüchtigkeit erhöhen konnten, als es die Verderblichkeit der Ereignisse, die es geschwächt hatten, hatte herabdrücken können. Und ohne Zweifel, wenn Florenz so glücklich gewesen wäre, nach seiner Befreiung vom Kaiserreich eine Regierungsform anzunehmen, die die Einigkeit erhalten hätte, so weiß ich nicht, welche Republik in neuer oder alten Zeit Florenz überlegen wäre, so groß war die Fülle seiner Kraft an Waffen und Kunstfleiß. Denn nachdem es die Gibellinen in so großer Zahl aus seinen Mauern vertrieben hatte, dass Toskana und die Lombardei voll von ihnen war, stellten die Guelfen und die, welche in der Stadt blieben, im Kriege mit Arezzo, ein Jahr vor der Schlacht bei Campaldino, 1200 Schwere Reiter und 12000 Mann Fußvolk eigener Bürger ins Feld. Später im Kriege mit Philipp Visconti, Herzog von Mailand, als die Kraft des Kunstfleißes, nicht die eigenen Waffen – denn diese waren in jener Zeit vernichtet – zu erproben war, gaben die Florentiner in den fünf Jahren, die dieser Krieg dauerte, fünf Millionen Gulden aus, und nach beendigten Kriege belagerten sie, missvergnügt über den Frieden, um die Macht ihrer Stadt besser zu beweisen, Lucca.

Ich mag daher nicht zu erkennen, aus welchem Grunde diese Spaltungen keine ausführliche Beschreibung verdienen sollten.

Und wenn jene vortrefflichen Schriftsteller zurückgehalten wurden, weil sie das Andenken der Männer nicht angreifen wollten, von welchen sie zu sprechen hatten, so täuschten sie sich, sie zeigten geringe Kenntnis des menschlichen Ehrgeizes und des Verlangens der Menschen, ihren und ihrer Vorfahren Namen zu verewigen. Sie erinnerten sich nicht, dass viele, denen die Gelegenheit fehlte, durch lobenswerte Handlungen Ruf zu erwerben, ihn durch schändliche Dinge zu erwerben gestrebt haben. Sie bedachten nicht, dass die Geschäfte, die Größe in sich haben, wie Regieren und Staatenlenken, wie sie auch gehandhabt werden, und welches Ende sie haben mögen, stets den Menschen mehr Ehre als Tadel zu bringen scheinen.

Die Erwägung dieser Dinge bewog mich zur Änderung meines Plans, und ich beschloß, meine Geschichte mit dem Ursprung dieser Stadt zu beginnen. Da es aber meine Absicht nicht ist, fremde Stellen einzunehmen, so werde ich bis zum Jahre 1434 nur die Begebenheiten im Innern der Stadt beschreiben und von den auswärtigen nichts anderes sagen, als was zum Verständnis der innern nötig ist. Nach dem Jahre 1434 werde ich sodann beide Teile ausführlich beschreiben. Damit man ferner diese Geschichte besser und jederzeit verstehe, werde ich, ehe ich von Florenz handle, beschreiben, durch welche Übergänge Italien unter die Mächte kam, die es jetzt regieren. Alle diese Begebenheiten, sowohl italienische als florentinische, werden mit vier Büchern beendigt sein.

Das erste Buch wird kurz alle Ereignisse erzählen, die sich vom Sinken des römischen Reiches bis zum Jahre 1434 in Italien zugetragen haben.

Das zweite Buch wird mit seiner Erzählung vom Ursprung der Stadt Florenz bis zu dem kriege kommen, der nach Vertreibung des Herzogs von Athen mit dem Papste geführt wurde.

Das dritte Buch wird mit dem Tode des Königs Ladilaus von Neapel 1414 endigen.

Mit dem vierten Buch werden wir bis zum Jahr 1434 kommen, von welcher Zeit an sodann die inneren und äußeren Begebenheiten der Stadt Florenz bis auf unsere Zeit ausführlich beschrieben werden sollen."

Die 'Geschichte von Florenz' ist der vierte Band (von fünf) der 1925 von Hanns Floerke im Müller-Verlag herausgegebenen Gesamtausgabe. Eine weitere Ausgabe hat der Manesse-Verlag publiziert.