DISCORSI sopra la prima deca di Tito Livio - Abhandlung die ersten zehn Bücher des Titus Livius

Machiavelli beginnt bereits 1513 mit den ersten Arbeiten an seinem umfangreichsten politischen Werk - den Kommentaren zu Titus Livius. Veröffentlicht werden diese Gedanken über Politik und Staatsführung erst 1532. Verbannt aus der praktischen Politik, macht Machiavelli aus der Not eine Tugend und legt die Grundlagen der Theorie der Politik, letztlich eben der Disziplin der Politikwissenschaft. In dem berühmten Brief an seinen Freund Vettori schreibt Machiavelli nach Rom:"Wenn der Abend kommt, kehre ich nach Hause zurück und gehe in mein Schreibzimmer. An der Schwelle werfe ich die Bauerntracht ab, voll Schmutz und Kot, ich lege prächtige Hofgewänder an und, angemessen gekleidet, begebe ich mich in die Säulenhallen der großen Alten. Freundlich von Ihnen aufgenommen, nähre ich mich da mit der Speise, die allein die meinige ist, für die ich geboren ward. Da hält mich die Scham nicht zurück, mit ihnen zu sprechen, sie um den Grund ihrer Handlungen zu fragen, und herablassend antworten sie mir. Vier Stunden lang fühle ich keinen Kummer, vergesse alle Leiden, fürchte nicht die Armut, es schreckt mich nicht der Tod; ganz versetze ich mich in sie..."

Machiavelli will die Antike fruchtbar machen, um die Politik seiner Gegenwart zu verstehen - das ist der Schlüssel. Wo Geschichte nach durchschaubaren Regeln sich wiederholt, ist solches Vorgehen naturgemäße Methode.

 

 

Und dann finden sich z.B. im 10. Kapitel der DISCORSI solche Stellen: "Wenn ein Staat gut regiert wird, wird man immer auch sehen, daß der Herrscher sicher inmitten seiner zuverlässigen Bürger...und die Welt in Frieden und Gerechtigkeit lebt...Die Reichen genießen ihren Reichtum, Adel und Verdienst werden herausgehoben, überall herrschen Ruhe und Wohlstand. Es gibt keinen Streit, keine Zügellosigkeit, keine Bestechung und keinen Ehrgeiz. Es ist das goldene Zeitalter, wo jeder seine eigene Meinung haben und vertreten kann."

 

Aus dem Inhaltsverzeichnis der DISCORSI

 

Widmung

 

ERSTES BUCH

Vorwort

1. Wie im allgemeinen der Ursprung einer Stadt und besonders der von Rom war

2. Wieviel Arten von Staatsformen es gibt und zu welcher der römische Staat gehört

3. Welche Ereignisse in Rom zur Wahl der Volkstribunen führten, wodurch sich die Republik vervollkommnete

4. Die Auseinandersetzungen zwischen Volk und Senat der Römer brachten der Republik Freiheit und Macht

5. Wo die Freiheit sicherer aufgehoben ist, beim Volk oder bei den Großen, und wer größeres Interesse an Aufständen hat, der, welcher etwas erwerben oder der, welcher Erworbenes behalten will

6. Ob es möglich gewesen wäre, Rom eine Verfassung zu geben, die die Feindschaft zwischen Volk und Adel beseitigt hätte

7. Wie notwendig in einem Freistaat Anklagen zur Erhaltung der Freiheit sind

8. So nützlich einer Republik die Anklagen sind, so verderblich sind ihr die Verleumdungen

9. Wer einem Staat eine neue Verfassung geben oder ihn ohne Rücksicht auf seine alten Einrichtungen völlig umgestalten

10. So lobenswert die Gründer eines Freistaats oder eines Königreichs sind, so schimpflich sind die Begründer einer Gewaltherrschaft

11. Zur Religion der Römer

12. Von welcher Wichtigkeit es ist, die Religion zu erhalten, und wie Italien dies durch die Schuld der römischen Kirche versäumte und dadurch in Verfall geriet

13. Wie die Römer die Religion benutzten, um den Staat in Ordnung zu halten, ihre Unternehmungen zu fördern und Aufstände zu unterdrücken

14. Die Römer legten die Auspizien nach dem Gebot der Umstände aus und gaben sich mit Klugheit den Anschein, als beachteten sie die Gebote der Religion, wenn sie dieselben notgedrungen auch nicht beachteten. Wenn aber jemand frevelhafterweise die Religion verächtlich machte, so bestraften sie ihn.

15. Die Samniten nahmen in ihren verzweifelten Lage zur Religion als letztem Mittel ihre Zuflucht

16. Wenn ein Volk, das gewohnt ist, unter einem Machthaber zu leben, durch irgendein Ereignis frei wird, so behauptet es nur schwer seine Freiheit

17. Ein heruntergekommenes Volk, das sich eine freiheitliche Verfassung gegeben hat, kann sich nur mit größter Schwierigkeit frei erhalten

18. Auf welche Weise in verderbten Staaten eine schon bestehende freie Verfassung erhalten, und wenn sie nicht besteht, eingeführt werden kann

19. Nach einem ausgezeichneten Herrscher kann sich ein schwacher halten; doch nach einem schwachen kann sich mit einem zweiten schwachen kein Reich behaupten

20. Die unmittelbare Aufeinanderfolge zweier tüchtiger Staatsführer bringt große erfolge hervor. In gut geordneten Freistaaten folgen mit Notwendigkeit immer tüchtige Männer einander in der Macht nach; deshalb machen solche Staaten große Eroberungen und wachsen zu mächtigen Reichen an

21. Der Machthaber oder der Freistaat, der nicht gerüstet ist, verdient schärfsten Tadel

22. Was über den Vorfall der drei römischen Horatier und der drei albanischen Curiatier zu bemerken ist

23. Man soll nie das ganze Schicksal ohne Einsatz der gesamten Streitkräfte einer Gefahr aussetzen; daher ist oft auch die Besetzung von Pässen schädlich

24. Wohlgeordnete Staaten setzen Belohnungen und Strafen für ihre Bürger fest und gleichen nie das eine durch das andere aus

25. Wer einem alten Staat eine freie Verfassung geben will, behalte wenigstens den Schatten der alten Form bei

26. Ein neuer Machthaber muß in einer Stadt oder in einem Land, das er erobert hat, alles neu einrichten...

 

 

Eine vollständige deutsche Übersetzung mit einem guten Kommentarteil bietet der Kröner-Verlag.